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Medienbote Ausgabe Nr. 543 vom 1. November 2006

BVZM: Fidel Castro und das Fernsehen
Fidel Castro ist bekanntlich sehr krank, hat die Amtsgeschäfte an seinen Bruder übergeben und liegt im Krankenhaus. Nun haben es Diktatoren nicht sehr gern, wenn sie kraftlos werden, das Volk spekuliert und manche werden sich vielleicht Hoffnung auf eine Änderung hin zur Freiheit machen. Deshalb braucht ein gestandener Diktator, auch im warmen Klima der Karibik, ständige Medienpräsenz. Da offensichtlich die ab und zu von der Staatspresse in Kuba veröffentlichten Fotos vom bettlägerigen Diktator nicht ausreichen, um Gerüchte zu zerstreuen, ließ sich jetzt Fidel Castro im Krankenhaus vom staatseigenen Fernsehen filmen. Der Zauselbart steckte in einer hochmodischen Freizeitkleidung made in Germany, natürlich das Ganze in den Farben Kubas. Der Auftritt war nicht sehr spannend. Fidel Castro las in die Fernsehkameras aus der Tageszeitung vor, peinlich achtete die Kameraeinstellung darauf, dass man die Frontseite der Zeitung inklusive Datum sah und keiner auf die dumme Idee kommen sollte, dass Castro schon verblichen sei und die Aufnahme schon alt und perdu. Castro bediente sich genau derselben zeitlichen Identifikationstechnik, wie es Terroristen machen, wenn sie gefangen genommene Geiseln zeigen. Ein aktuelles Stück Zeitung muss her, um die Beweisführung möglichst frisch zu führen. Jetzt hat Castro mit seiner Vorleserei aus der Zeitung für diesen Zeitungstag den Beweis geführt, dass er an diesem Tage noch lebte. Aber was ist mit gestern, was mit heute? Castro sollte einen täglichen Video-Blog auf seiner Insel einführen, wo er täglich aus der Zeitung vorliest und jedermann sehen kann, dass dies topaktuell ist. Dann würden sich vielleicht junge Menschen in Kuba für das Auslaufmodell Castro interessieren.

Bernt von zur Mühlen arbeitet als Medienberater und Publizist in Luxemburg. E-Mail: bvzm@bvzm.net

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