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Medienbote Ausgabe Nr. 863 vom 2. Oktober 2008

KABELKIOSK: Interview mit Volker Steiner und Martina Rutenbeck
Der Satellitenbetreiber Eutelsat will den KabelKiosk, seine Programm- und Service-Plattform für Kabelnetzbetreiber, ausbauen. Neben neuen Pay-TV-Paketen gibt es auch Pläne für HDTV, IPTV und Video-on-Demand sowie erste Überlegungen, in den Satelliten-Direktempfangsmarkt vorzudringen. Als neues Verschlüsselungssystem wird VideoGuard von NDS eingeführt. Der Medienbote sprach mit Volker Steiner, Geschäftsführer von Eutelsat Deutschland, und KabelKiosk-Geschäftsführerin Martina Rutenbeck über die Neuerungen.

Medienbote: Wie ist der KabelKiosk derzeit aufgestellt?

Martina Rutenbeck: Wir versorgen rund 250 Kabelnetzbetreiber in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg mit mehr als 100 digitalen TV-Sendern, die diese an ihre insgesamt 2,6 Millionen Kunden weiterleiten. Das KabelKiosk-Team im Mediapark in Köln ist mittlerweile auf neun Vollzeitmitarbeiter angewachsen. Zuletzt kamen Erik Schuchardt im Bereich Finanzen und Matthias Schwankl dazu, der die Entwicklung und Markteinführung neuer Dienste in den Bereichen HDTV, IPTV und Video-on-Demand vorantreiben wird. Weitere Arbeitsplätze, unter anderem im Bereich Inhalte, sind geplant.

Medienbote: Welche Pläne haben Sie im Bereich IPTV?

Martina Rutenbeck: Die Verbreitung der KabelKiosk-Angebote auf Plattformen, die mit dem Internet-Protokoll (IP) arbeiten, ermöglicht uns aufgrund des darin eingebundenen Rückkanals, interaktive Dienste einzurichten. Beispiele sind eine digitale Videothek mit Spielfilmen und anderen Premium-Inhalten und ein TV-Abrufservice, über den die Zuschauer Inhalte zeitunabhängig ansehen können. Bei der Einführung der neuen Dienste, die wir für das erste Halbjahr 2009 anstreben, werden wir unsere Partner aktiv unterstützen. Schon jetzt gibt es übrigens Kabelnetzbetreiber, die den KabelKiosk auf IP-Basis verbreiten – dies ist problemlos möglich, weil wir für nahezu alle Programme die IPTV-Verbreitungsrechte besitzen.

Medienbote: Wie kommt das neue Basispaket an?

Martina Rutenbeck: Wir verzeichnen großes Interesse an dem Basispaket mit privaten Free-TV-Sendern, das wir auf der Internationalen Funkausstellung Anfang September vorgestellt haben. Kabelnetzbetreiber haben damit die Möglichkeit, ihren Kunden ein attraktives Digitalpaket mit 30 deutschen TV-Sendern zur Verfügung zu stellen. Im Winter kommen 20 bis 25 weitere Kanäle dazu. Ein entscheidender Pluspunkt ist, dass die großen Privatsender an Bord sind: Die Sender der RTL-Familie haben wir schon unter Vertrag, das Abkommen mit ProSiebenSat.1 steht kurz vor der Unterzeichnung. Die Kabelgesellschaft Tele Columbus, mit der wir das Basispaket aufgebaut haben, speist die Programme bereits ein, weitere Kabelnetzbetreiber werden folgen. Das Basispaket ist ein Angebot des KabelKiosks, das allen interessierten Netzbetreibern offen steht. Wenn ein Kunde auch Pay-TV-Pakete von uns bezieht, kann er das Basispaket schon zum Nettopreis von 1,39 Euro pro Kunde erhalten. Mit geringem finanziellen Aufwand kann er sein Kabelnetz damit deutlich aufwerten und den Zuschauern einen attraktiven Mehrwert liefern, der sie zum Umstieg aufs digitale Fernsehen bewegt. Wir haben das Basispaket bewusst als Produkt für die breite Masse ausgelegt, das mit seiner Schubwirkung die Digitalisierung vorantreiben wird. Wenn die Haushalte erst einmal aufs digitale Fernsehen umgestiegen sind, werden sie im zweiten Schritt spezifische Pay-TV-Pakete gemäß ihrer Interessen dazubuchen, etwa Sport, familienorientierte Unterhaltung oder Musik.

Medienbote: Wollen Sie auch HDTV einführen?

Volker Steiner: Wir sind begeistert vom großen Potenzial, das im hoch auflösenden Fernsehen steckt. Allerdings stellt sich für TV-Veranstalter das Problem, ein Geschäftsmodell zu finden, mit dem sie die Mehrkosten refinanzieren können. Hinzu kommt, dass die großen TV-Sender in Deutschland sowohl analog als auch digital schon in herkömmlicher Auflösung eine gute Bildqualität liefern. HDTV ist bei uns damit nicht der Quantensprung, den die neue TV-Technologie für Zuschauer in anderen Ländern bedeutet. Wir rechnen daher damit, dass sich HDTV zunächst auf paneuropäischer Ebene entwickeln wird, bevor weitere Programme starten, die nur deutsche Zuschauer im Blickfeld haben. Beispiele für den paneuropäischen Ansatz sind Eurosport HD, ARTE HD und MTVN HD. Mit einer Reihe von HDTV-Sendern, die in den deutschen Markt wollen, führen wir derzeit Gespräche. Die ersten Aufschaltungen im KabelKiosk sind für das erste Halbjahr 2009 vorgesehen.

Medienbote: Welche weiteren Neuerungen gibt es 2009?

Martina Rutenbeck: Wir werden unser Family-Paket mit weiteren Unterhaltungssendern bestücken. Außerdem planen wir ein separates Erotikpaket, das auch Filme auf Abruf enthalten wird. Eine Video-on-Demand-Komponente ist auch beim Sportpaket denkbar, ebenso wie bei anderen Bouquets. Mit unserem jüngsten Neuzugang, dem arabischen Paket, expandiert der KabelKiosk über den deutschen Sprachraum hinaus in Länder mit hohem arabischsprachigen Bevölkerungsanteil, darunter Frankreich, Skandinavien, Spanien und Italien.

Medienbote: Welche Verschlüsselungsstrategie verfolgen Sie?

Martina Rutenbeck: Wir haben vor kurzem damit begonnen, unser Angebot parallel zu Conax in VideoGuard zu verschlüsseln. Die Simulcrypt-Strategie ermöglicht unseren Partnern selbst zu entscheiden, welches System sie wählen wollen. Conax bietet die Möglichkeit, die KabelKiosk-Programme über Digitalreceiver mit offener Schnittstelle (Common Interface) zu beziehen. Für VideoGuard haben wir uns entschieden, weil das Verfahren bislang ebenfalls ungehackt ist und damit maximalen Schutz gewährleistet. Außerdem legen wir damit den Grundstein für die geplanten interaktiven Dienste, die wir über die vom VideoGuard-Entwickler NDS angebotene Middleware MediaHighway anbieten wollen.

Medienbote: Das Bundeskartellamt hat gegen Premiere, Kabel Deutschland und Unitymedia ein Verfahren wegen des möglichen Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung eingeleitet. Dabei geht es um den Vorwurf, die drei Schwergewichte würden mittels proprietärer Digitalreceiver Wettbewerbern den Zugang zu ihren Kunden erschweren. Welche Position vertritt Eutelsat?

Volker Steiner: Wir begrüßen das Vorgehen des Kartellamts. Die drei großen Marktteilnehmer missbrauchen ihre Set-Top-Box-Politik zur Marktabschottung. Dies ist nicht im Interesse der Verbraucher und behindert die schnelle Digitalisierung. Wir setzen uns seit langem vehement für einen offenen Set-Top-Box-Markt ein, bei dem der Kunde und nicht der Pay-TV-Betreiber entscheidet, welches Gerät ins Wohnzimmer kommt. Viele Zuschauer würden zudem überhaupt keinen gesonderten Receiver mehr benötigen, weil ihr Flachbildfernseher schon einen digitalen Kabel- oder Satellitentuner eingebaut hat, werden dazu aber gezwungen, weil der Pay-TV-Anbieter ein geschlossenes System betreibt, in dem er nur die eigenen Boxen zulässt. Es ist traurig, dass die Unternehmen versuchen, über Monopolisierung Geld zu verdienen. Es bleibt zu hoffen, dass das Kartellamt diese wettbewerbsschädliche Geschäftspolitik unterbinden wird.

Medienbote: Tele-Columbus-Präsident Markus Schmid forderte von der Politik jüngst einen verbindlichen Abschalttermin für die analoge TV-Verbreitung. Was halten Sie davon?

Martina Rutenbeck: Ein analoger Abschalttermin, zum Beispiel 2012, würde die Digitalisierung deutlich voranbringen, weil dieser Prozess nicht rein marktgetrieben erfolgen kann. Dass dies funktioniert, haben wir bei der erfolgreichen DVB-T-Einführung gesehen. Wie bei DVB-T, wäre es beim Kabelfernsehen möglich, regional vorzugehen, also jeweils einzelne Versorgungsgebiete umzustellen, begleitet von einer umfassenden Informationskampagne über Medien, Handel und Verbände. Wichtig ist, dass sich alle Marktteilnehmer auf ein gemeinsames Vorgehen einigen.

Volker Steiner: Ein Abschalttermin wäre ein wichtiges Zeichen für den Markt und würde den Akteuren die dringend notwendige Planungssicherheit geben. Es wäre auch psychologisch ein wichtiges Zeichen, um den Leuten vor Augen zu führen, dass die Tage des analogen Fernsehens gezählt sind. Immerhin empfangen noch 80 Prozent der Kabelhaushalte analoges Fernsehen. Die Zuschauer brauchen einen Anstoß, sich einen Digitalreceiver zuzulegen. Einen Grund für die schleppende Digitalisierung im Kabelnetz haben sich die Kabelgesellschaften aber auch selbst zuzuschreiben, wenn sie ihren Kunden den Mehrwert des Digital-TV nicht vermitteln.

Medienbote: Mit der Satellitenplattform Premiere Star, die jetzt auch ins Kabelnetz drängt, wächst ein neuer Konkurrent heran. Was sagen Sie zu dem Vorstoß?

Martina Rutenbeck: Wir begrüßen jede Initiative, die für Kabelzuschauer mehr Programmvielfalt schafft, weil dadurch die Digitalisierung beschleunigt wird. Wenn mehrere Plattformen am Markt agieren, wird es zudem für die Platzhirsche der Branche schwieriger, einzelne Sender über Exklusivverträge an sich zu binden. Das kommt dem KabelKiosk zugute, dem damit der Zugang zu diesen Sendern nicht versperrt ist. Im Vergleich mit Premiere Star bieten wir eine deutlich größere Programmauswahl, die nicht nur auf Pay-TV beschränkt ist, sondern auch Free-TV umfasst. Ein strategischer Vorteil ist, dass wir nicht an einen Pay-TV-Veranstalter gebunden sind, sondern uns unabhängig im Markt bewegen können.

Medienbote: Wäre es denkbar, den KabelKiosk künftig auch Satellitenhaushalten zugänglich zu machen?

Martina Rutenbeck: Mit der Portfolio-Erweiterung wie jüngst dem Basispaket wächst auch die Attraktivität unseres Angebotes für den Direktempfangs-Markt. Schließlich eignet sich die Orbitalposition 9° Ost, über die der KabelKiosk den Kabelgesellschaften zugeführt wird, bestens für den Direktempfang mit Dual-LNBs im Zusammenspiel mit der Hot-Bird-Flotte auf 13° Ost. Dies sind bislang jedoch nur erste Überlegungen, ein abgeschlossenes Geschäftsmodell gibt es dafür noch nicht.


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