IM FOKUS: EPGs – ein unterschätzter Markt?!
Wie Google das Internet such- und damit nutzbar machte, braucht es in Zukunft intelligente Suchmaschinen, die TV-Zuschauer durch den Dschungel des visuellen Überflusses geleiten. Das Spektrum der TV- und Web-TV-Angebote ist schon heute kaum noch überschaubar. Die wachsende Programmdichte und steigende Zahl an Plattformen und Übertragungswegen schaffen einen lukrativen Markt für elektronische Programmführer (EPGs), die längst viel mehr sind als digitale Programmzeitungen. Das EPG-Marktumfeld ist im massiven Wandel. Aktuelle TV-Trends wie HDTV, Personal Video Recorder und Hybrid-TV zählen zu den Innovationstreibern dieses Markts und sind die Messlatte für den Entertainment-Guide der Zukunft. Neben rund 2.700 TV-Programmen in Europa, davon 500 allein in Deutschland, haben die Zuschauer schon heute die Qual der Wahl zwischen Streaming- und Web-TV-Angeboten, zwischen Catch-up-TV, Video-on-Demand-Portalen und Video-Sharing-Plattformen. Anspruchsvolle Content-Navigation heißt außerdem, die Entertainment-Angebote im vernetzten Heim inklusive der eigenen DVD-Sammlung zu erschließen. Intelligente EPGs verfügen zudem über Personalisierungsfunktionen, die dem Nutzer passgenau und automatisch Inhalte seiner Wahl anbieten. Und: indem der EPG Empfehlungen von Freunden oder Nutzern mit ähnlichen Interessen verarbeitet, avanciert der Programmführer zur Social-Media-Plattform für audiovisuelle Inhalte. Der Nutzen für den Medienkonsumenten liegt auf der Hand. Und trotzdem ist es nicht die funktionale Ebene allein, die die EPG-Anbieter herausfordert. Spätestens seit dem iPhone sind Maßstäbe gesetzt, was Geräte in punkto Design, Usability und vor allem Spaßfaktor bieten müssen. Dass zwei Drittel der Videorekorder-Besitzer ihr Gerät nicht programmieren können, mag ein urbaner Mythos sein. Vielleicht haben sie auch einfach nur keinen Spaß daran. Ähnliche Werte jedenfalls dürfen sich die EPG-Anbieter nicht erlauben, wenn sie im Markt bestehen wollen. Es bleibt spannend, wie die Anbieterseite mit dem riesigem Navigationspotenzial umgehen wird. Noch ist der Markt nicht aufgeteilt. Noch ist nicht klar, wie sich die internationalen Branchengrößen der Unterhaltung von Apple über Sony bis Microsoft positionieren, während Google – als unangefochtener Marktführer in der Text- und Bildersuche – sich bislang nicht als kompetenter Bewegtbild-Navigator etablieren konnte.
Chancen und Risiken, aktueller Status und Marktpotenziale von EPGs in Europa sind Gegenstand der Diskussionsrunde „Programmnavigation 2014: Perspektiven, Pläne und politischer Sprengstoff um den EPG der Zukunft“ im Rahmen der Medientage München am 29. Oktober ab 16 Uhr. Auf der Veranstaltung stellen Goldmedia und PPS Presse-Programm-Service die neue Studie „EPGs in Europa 2014“ vor. Infos: www.medientage.de/programmdetail.html?panel=605
Autor: Dr. Klaus Goldhammer, Geschäftsführer Goldmedia GmbH, E-Mail: info@goldmedia.de / Internet: www.goldmedia.de



