ZDF: Interview mit Andreas Bereczky
ARD und ZDF bieten ihr Programm ab 12. Februar in hoher Bildauflösung (HDTV) an. Im Mittelpunkt stehen zunächst die Live-Übertragungen von den Olympischen Winterspielen, die vollständig in der neuen TV-Technologie produziert werden. Auch Spielfilme, Serien, Dokumentationen und Shows wie „Wetten, dass..?“ werden in echtem HDTV zu sehen sein. Der Medienbote sprach mit ZDF-Produktionsdirektor Andreas Bereczky über die Inhalte und Verbreitungswege des HDTV-Angebots, die Digitalisierung von Kabel und Satellit, die Astra-Plattform HD+, Signal- und Kopierschutz, HDTV-Inhalte in der Mediathek und mögliche weitere HDTV-Kanäle des ZDF.
Medienbote: Was bekommen wir bei ZDF HD zu sehen?
Andreas Bereczky: ZDF HD wird ein 1:1-Abbild des in herkömmlicher Bildauflösung angebotenen ZDF-Programms sein. Produktionen, die uns in HDTV zur Verfügung stehen, werden wir in hoher Auflösung ausstrahlen. Neben den Übertragungen von den Olympischen Winterspielen zählen dazu auch Spielfilme, Krimis, Dokumentationen wie „Terra X“, Serien wie „SOKO“ und Unterhaltungsshows wie „Wetten, dass..?“. Die jüngste „Wetten, dass..?“-Ausgabe am 23. Januar haben wir übrigens schon in hoher Auflösung produziert - und die nächste Ausgabe wird die erste sein, die wir dann auch live in HDTV ausstrahlen werden. Sport wird bei ZDF HD eine große Rolle spielen, denn praktisch alle großen Sportereignisse werden mittlerweile in HDTV produziert. Neben Olympia werden wir in diesem Jahr auch die Fußball-Weltmeisterschaft, die Leichtathletik-Europameisterschaft und Wintersport in HDTV übertragen. Material, das uns nicht in HDTV vorliegt, wird hochgerechnet. Auch hier ergibt sich eine Qualitätssteigerung.
Medienbote: Gibt’s auch die Nachrichten in HDTV?
Andreas Bereczky: Das wird in absehbarer Zeit nicht möglich sein, weil die Nachrichtenagenturen das meiste Material nicht in HDTV bereitstellen. Unser neues Nachrichtenstudio bietet schon jetzt in herkömmlicher Auflösung ein hervorragendes Bild, so dass der Unterschied zu HDTV ohnehin nicht allzu groß wäre. Ein weiterer Grund, weshalb wir uns noch zurückhalten, sind die auf Computern erstellten Erklärungsgrafiken, die wir bei Nachrichtensendungen einsetzen. Wenn wir das alles in HDTV anbieten würden, wären die Anforderungen an Rechnerleistung und Speicherplatz deutlich höher, was wiederum die Kosten nach oben treiben würde - ohne nennenswerten Genussgewinn.
Medienbote: Wie hoch wird der HDTV-Anteil bei ZDF HD sein?
Andreas Bereczky: Das lässt sich schwer als Prozentzahl ausdrücken, denn der HDTV-Anteil hängt vom jeweiligen Programmtag ab. So schnellt die HD-Quote etwa deutlich nach oben, wenn wir einen ganzen Tag lang Wintersport übertragen, und kann am nächsten Tag schon wieder deutlich niedriger ausfallen. Der HD-Anteil ist also stark schwankend. Unser Ziel ist aber, jeden Tag zumindest zur Hauptsendezeit einige Stunden lang in echtem HDTV zu senden. Klar ist auch, dass der HD-Anteil im Verlauf der Jahre deutlich steigen wird. Ein 24-Stunden-Programm in originärem HDTV wird es jedoch nie geben, da wir in vielen Sendungen - etwa Dokumentationen über geschichtliche Ereignisse - auf Archivmaterial zurückgreifen, das nicht in HDTV vorliegt, zum Beispiel alte Schwarz/Weiß-Aufnahmen und Farb-Aufnahmen, die vor der HD-Ära gedreht wurden. Bei Live-Sport wird der HD-Anteil sicher bald sehr hoch sein, wie auch bei aktuellen Spielfilmen und Serien.
Medienbote: Via Satellit werden Das Erste HD und ZDF HD über Astra (19,2° Ost) zu empfangen sein. Wie sieht’s im Kabel und bei IPTV aus?
Andreas Bereczky: Die Programme werden in allen großen Kabelnetzen sowie auf der IPTV-Plattform der Deutschen Telekom empfangbar sein, auch bei kleineren Kabelnetzbetreibern und bei vielen Anbietern der Wohnungswirtschaft wird die Verbreitung sichergestellt - wohlgemerkt ohne, dass wir dafür zusätzliche Einspeiseentgelte zahlen müssen. Auch mit Kabel Deutschland haben wir nach langen Verhandlungen jetzt eine entsprechende Einigung erzielt, so dass die Programme mit Beginn des Regelbetriebs flächendeckend in den Kabelnetzen vertreten sein werden. Die Verbreitung erfolgt unverschlüsselt: Jeder HD-Kabelreceiver oder HD-taugliche Flachbildfernseher mit eingebautem HD-Kabeltuner kann zum Empfang eingesetzt werden.
Medienbote: Wie sieht es mit der Analog-TV-Abschaltung aus?
Andreas Bereczky: ARD und ZDF haben im Herbst 2009 angekündigt, die analoge Satellitenverbreitung ihrer Programme via Astra am 30. April 2012 zu beenden. An diesem Termin halten wir fest. Ich bin zuversichtlich, dass bis dahin weit über 90 Prozent der Satellitenhaushalte aufs digitale Fernsehen umsteigen werden. Der Anteil liegt schon jetzt bei über 70 Prozent. Mit einer massiven Kommunikationskampagne wollen wir die Verbraucher über die Vorteile des digitalen Fernsehens und die Analog-TV-Abschaltung auf dem Satelliten informieren. Die Botschaft wird auch bei den Kabelkunden ankommen und auch hier die Digitalisierung vorantreiben. Ein weiterer Schub für die Marktdurchdringung des digitalen Fernsehens dürfte von HDTV ausgehen. Die Hürde, dass viele analoge Kabelkunden keine Set Top Box haben wollen, weil sie dies im Gegensatz zu den Satellitenhaushalten bislang nicht gewohnt sind, wird zunehmend verschwinden: Von den Fernsehgeräten, die derzeit im Handel sind, verfügen bereits rund 90 Prozent über einen integrierten Digital-TV-Tuner, oft sogar für alle drei Verbreitungswege: Kabel, Satellit und DVB-T. Wie beim analogen Kabelfernsehen, kann damit der Fernseher direkt ans Kabelnetz angeschlossen werden, ohne separate Box.
Medienbote: Angesichts des gegenwärtigen Anteils von nur 30 Prozent Digitalhaushalten wird die Umstellung im Kabelnetz bis 2012 kaum zu bewerkstelligen sein. Bleibt es hier beim Analog-TV?
Andreas Bereczky: Natürlich können die Kabelnetzbetreiber ihren Kunden auch nach dem 30. April 2012 weiterhin analoge TV-Programme anbieten, auch wenn die analoge Signalzuführung via Satellit wegfällt - wir halten diese Lösung allerdings für nicht optimal. Auch deshalb haben wir großen Wert darauf gelegt, den geplanten Abschalttermin frühzeitig bekannt zu machen. Die Kabelgesellschaften haben jetzt über zwei Jahre Zeit, ihre Kabelnetze und Einspeisestellen auf den Wegfall der analogen Signalzuführung via Satellit technisch vorzubereiten, um digital einspeisen zu können. Als Alternative können sie, wenn sie möchten, die digitalen Programme in analoge Signale zurückwandeln und in ihre Netze einspeisen. Wenn die Infrastruktur darauf vorbereitet ist, ist dies mit wenig Aufwand möglich. Mir sind einige Kabelnetzbetreiber bekannt, die die entsprechenden Überlegungen bereits in Betracht ziehen. Bei anderen ist dies nicht der Fall - das ist aber nicht unser Problem, sondern Aufgabe des Kabelnetzbetreibers, der schließlich das Geschäftsmodell betreibt. An den Kosten, die durch die Re-Analogisierung entstehen, werden wir uns jedenfalls nicht beteiligen, da es sich dabei um eine Zweitverbreitung handelt, die in den Händen des Kabelnetzbetreibers liegt.
Medienbote: Was sagen Sie zur Astra-Plattform HD+?
Andreas Bereczky: Die Verwirrung um Technik, Zugangsmöglichkeiten und Nutzungsbeschränkungen, die HD+ bei den Verbrauchern ausgelöst hat, ist nicht hilfreich und förderlich für die HDTV-Entwicklung in Deutschland. Es ist zu befürchten, dass die Marktdurchdringung dadurch gebremst wird, was sehr bedauerlich ist. Wir müssen aber akzeptieren, dass private TV-Gruppen wie RTL und ProSiebenSat.1 und Satellitenbetreiber wie SES Astra versuchen, bei einem Paradigmenwechsel wie der Einführung von HDTV neue Geschäftsmodelle zu etablieren. Angesichts der rund vier Millionen im Markt befindlichen HDTV-Empfangsgeräte, die sich heute ohne technische Aufrüstung nicht für HD+ eignen, wäre es sicher geschickter gewesen, die neue Plattform ein Jahr früher einzuführen. Ob HD+ erfolgreich sein wird, wird sich erst in zwölf Monaten zeigen, wenn die einjährige Gratisphase vorbei ist und die Zuschauer erstmals zur Kasse gebeten werden. Dann werden wir sehen, wie viele Haushalte letztendlich dabei bleiben.
Medienbote: Die Privatsender versehen ihre HDTV-Programme mit Nutzungsbeschränkungen, etwa um das Überspringen von Werbepausen mit Digitalrekordern zu verhindern. Durch die Verschlüsselung wird außerdem der Satellitenempfang auf das Inland beschränkt. Ist das auch bei ARD und ZDF ein Thema?
Andreas Bereczky: Nein, wir verlangen von unseren Verbreitungspartnern die unverschlüsselte, unveränderte und diskriminierungsfreie Weiterleitung unserer Signale zu den Endkunden. Auch einen Kopier- und Signalschutz gibt es bei uns nicht. Bislang ist es uns immer gelungen, diese Vorgaben in die Verträge mit Rechteinhabern einfließen zu lassen, etwa für Sportereignisse, Hollywood-Filme oder US-Serien. Daran halten wir auch in Zukunft fest. Wir verspüren in den Vertragsverhandlungen keinen Druck, von unserer Position abrücken zu müssen.
Medienbote: In seiner Mediathek im Internet stellt das ZDF ausgewählte Sendungen in voller Länge zum kostenfreien Abruf zur Verfügung. Kommen mit dem Start von ZDF HD auch HDTV-Inhalte dazu?
Andreas Bereczky: Technisch wäre das kein Problem, wir haben auch schon erfolgreiche Praxistests absolviert. Im Moment ist das allerdings kein Thema, denn der größte Teil der Nutzer greift auf die Mediathek über den Computer zu - und nicht über großformatige TV-Bildschirme, wo HD-Inhalte erst richtig zur Geltung kommen. Mit den Hybridboxen, die jetzt auf den Markt kommen, ist zu erwarten, dass die Mediathek zunehmend über den herkömmlichen Fernseher genutzt wird. Wir beobachten den Markt und werden HDTV-Inhalte in die Mediathek stellen, wenn genügend Haushalte technisch dazu in der Lage sind, diese auf großen Bildschirmen anzusehen. Angesichts der höheren Kosten für Speicherplatz und Bandbreite, die HDTV-Inhalte verursachen, ist dies nur dann wirtschaftlich vertretbar.
Medienbote: Gibt es Überlegungen, nach ZDF HD weitere Kanäle aus Ihrer Senderfamilie in HDTV anzubieten?
Andreas Bereczky: Das Wichtigste ist für uns zunächst, die Abschaltung der analogen Satellitenverbreitung am 30. April 2012 zu organisieren und erfolgreich über die Bühne zu bringen. Vorher wird es keine neuen HDTV-Kanäle geben, allein schon aus Kostengründen. 2012 werden wir sehen, wie sich der Markt entwickelt hat. Angesichts seiner Programmfarbe und Zielgruppe wäre ZDFneo sicher ein geeigneter Kandidat für HDTV. Auch 3sat würde sich anbieten, wir werden das zu gegebener Zeit mit unseren Kollegen von ARD, ORF und SRG besprechen.
Tipp: Über die Einführung und Perspektiven des hochauflösenden Fernsehens spricht Andreas Bereczky unter dem Titel „HDTV - Neuer Schub der Digitalisierung des Fernsehens“ auf der 16. Euroforum-Jahrestagung „Die Zukunft der Kabel-TV-Netze“. Weitere Schwerpunkte der Veranstaltung, die vom 23. bis 24. Februar in Köln stattfindet, sind die Konsolidierung des Kabelmarkts, Triple-Play-Strategien für lokale und regionale Netzbetreiber, die digitale Dividende und neue technische Entwicklungen wie Hybrid-TV. Infos: www.euroforum.de/kabel-tv



