KLARNER: Digitale Sender in Wartestellung
Der baden-württembergische TV-Veranstalter Klarner Medien hat seine digitalen Spartenkanäle vorübergehend aus dem Kabelnetz von Kabel BW entfernt. Nach den technischen Umstellungen, die Kabel BW im Zuge der Regionalisierung seines Kabelnetzes Ende Januar durchgeführt habe, seien nicht mehr alle Sender im Kabelnetz verfügbar, bestätigte Geschäftsführer Stefan Klarner dem Medienboten. „Wir arbeiten an einer Lösung für eine Rückkehr in der zweiten Jahreshälfte.“ Weiterhin im digitalen Netz auf Sendung ist der von Klarner Medien betriebene Ereignis- und Informationskanal BWeins, der unter anderem die Debatten des baden-württembergischen Landtags in voller Länge überträgt. Das 24-Stunden-Programm ist allerdings vorerst nur in der Region Stuttgart und Neckar-Alb empfangbar, Kabel-BW-Haushalte in anderen Landesteilen können BWeins als Fenster im Familienkanal bw family.tv sehen, der landesweit analog und digital verbreitet wird. Auch der Wissenschafts- und Forschungskanal Prometheus wird vorläufig nur als Fenster weitergeführt, gesendet wird auf den Programmplätzen von BWeins, bw family.tv und RTF.1, dem von Klarner Medien betriebenen Regionalsender für die Landkreise Reutlingen, Tübingen, Zollernalb und Teile Esslingens. Die Spartenkanäle, die vorerst nicht mehr als einzelne Sender im Kabelnetz sind, sollen nach Angaben Klarners schrittweise als Fenster bei BWeins auftauchen, um die Zeit bis zur Rückkehr zu überbrücken. Dabei handelt es sich um das Literaturfernsehen, Landschaft TV, KulturBW TV, den Jugendkanal Studio live und Culinaria, einen Sender rund um Kochen, Restaurants und regionale Spezialitäten aus Baden-Württemberg. Kabel-BW-Sprecher Maurice Böhler bestätigte dem Medienboten, dass seit Ende 2009 für die betroffenen Sender von Klarner Medien keine Einspeiseverträge mehr bestünden. Mit dem Karlsruher Messefernsehen KMK-Messe-TV, dem Gesundheitskanal GesundTV BW und dem Lokalsender Mediendienst Waghäusel seien außerdem drei weitere digitale Spartenkanäle aus dem Kabelnetz entfernt worden. KMK-Messe-TV ist weiterhin im Internet unter www.messe-karlsruhe.tv sowie als Fenster beim Regionalsender R.TV Karlsruhe zu empfangen, GesundTV BW hat den Sendebetrieb eingestellt und ist auch im Internet nicht mehr zu sehen. Der Mediendienst Waghäusel, der die Stadt Waghäusel mit lokalen Informationen versorgte, wurde zum Jahresende eingestellt, nachdem sich Betreiber Karlheinz Oestreicher nach eigenen Angaben aus wirtschaftlichen und persönlichen Gründen für eine berufliche Neuorientierung entschieden hat. Die begleitende Webseite www.mdw21.de ist noch erreichbar. Neu ist, dass der Basketballkanal in Sport in Baden TV umbenannt wurde und das Spektrum der abgedeckten Sportarten erweitert hat. So werden unter anderem auch Spiele und Turniere lokaler Verbände und Vereine aus den Bereichen Fußball, Handball, Volleyball und Turnen übertragen. Der Sender, der im Internet unter www.sport-in-baden-tv.de vertreten ist, kann in den badischen Großräumen Karlsruhe, Mannheim und Heidelberg digital bei Kabel BW empfangen werden. Böhler erklärte, dass die Möglichkeit der regionalen Teilbelegung des digitalen Netzes auf Wunsch der Sender und der Landesanstalt für Kommunikation (LfK) geschaffen wurde: „Die Sender werden jetzt nur noch in den Gebieten verbreitet, für die sie lizenziert sind und in denen sie auch tatsächlich verbreitet werden wollen.“ Dies ermögliche auch Einsparungen bei den Einspeisegebühren, die an Kabel BW pro erreichtem Haushalt zu zahlen sind. Bislang war die Belegung des digitalen Bereichs des Kabelnetzes aus technischen Gründen in ganz Baden-Württemberg einheitlich, regionale Teilbelegungen gab es nur im analogen Bereich. Böhler betonte, dass Kabel BW die lokalen und regionalen Sender auch weiterhin unterstützen werde, um die Medienvielfalt in Baden-Württemberg zu fördern. Bedauerlich sei, dass einige kleinere Sender den Betrieb eingestellt hätten. „Wir speisen sie gerne ein, wenn sie wieder starten“, sagte Böhler. Auch LfK-Sprecher Axel Dürr betonte im Gespräch mit dem Medienboten, dass die Regionalisierung gemeinsam mit Kabel BW erarbeitet wurde, um den Interessen von Sendern, Netzbetreiber und Regulierung zu entsprechen. Wichtig sei auch die damit verbundene Vereinheitlichung der Einspeisekosten für die Sender. „Es wäre zu teuer geworden für kleine Sender, wenn sie automatisch landesweit empfangbar wären und dafür zahlen müssten“, erklärte Dürr. Die TV-Veranstalter könnten jetzt nach unternehmerischen Gesichtspunkten entscheiden, in welchen Regionen sie empfangbar sein wollen. Die Möglichkeit der regionalen Teilbelegung hätten alle Sender zum Anlass genommen, ihre Verbreitung auf das jeweilige lokale Versorgungsgebiet einzuschränken, sagte Dürr. Einzige Ausnahme sei das Rhein-Neckar-Fernsehen RNF, das zusätzlich zu seiner Kernregion den Großraum Heilbronn versorge. Dürr sagte, er bedauere, dass die Kabel-BW-Haushalte auf die digitalen Spartenkanäle aus dem Hause Klarner wie Prometheus, Culinaria, Literaturfernsehen & Co. vorerst verzichten müssten. „Wir haben dafür aber natürlich Verständnis, denn das ist eine unternehmerische Entscheidung, die in den Händen von Klarner Medien liegt.“ Eine neue Perspektive für kleine Sender könnte sich Branchenkreisen zufolge mit der Video-on-Demand-Plattform ergeben, die Kabel BW im Sommer einführen will: Regionale Sendungen und Nischenprogramme könnten dann auf Knopfdruck abgerufen werden. Da kleine Sender ohnehin viele Wiederholungen zeigen, wäre dies eine Weiterentwicklung von Programmschleifen zu Abrufdiensten. Kabel-BW-Sprecher Böhler bestätigte entsprechende Überlegungen: „Gerade für regionale Sender kann die VoD-Plattform eine interessante und kostengünstige Möglichkeit sein, interessierte Zuschauer zu erreichen.“ Infos: www.klarner-medien.de



