MAINSTREAM MEDIA: Interview mit Gottfried Zmeck
GoldStar TV, der Pay-TV-Kanal für Schlagerfans, feierte am 1. März sein zehnjähriges Bestehen. Mit dem Heimatkanal und Romance TV betreibt die Muttergesellschaft Mainstream Media zwei weitere Abo-Sender. Das Projekt Country Music Star TV ist startbereit, außerdem wird an der Rückkehr von Hit24 gearbeitet. Der Medienbote sprach mit Mainstream-Media-Vorstandschef Gottfried Zmeck über die Entwicklung der Senderfamilie und Zukunftspläne wie HDTV und die Expansion ins Ausland.
Medienbote: Welche Bilanz ziehen Sie nach zehn Jahren GoldStar TV?
Gottfried Zmeck: Wir sind mit der Entwicklung des Senders sehr zufrieden. Es ist uns gelungen, GoldStar TV als feste Marke in der Schlagerwelt zu etablieren. Schlager sind eine in Deutschland sehr beliebte Musikfarbe, was auch die hohen Verkaufszahlen von Tonträgern und Konzerttickets belegen. Trotzdem gab es zuvor keinen Sender, der sich diesem Genre widmete. Diese Marktlücke haben wir geschlossen und mit GoldStar TV eine Art MTV für Schlagerfans geschaffen. Dabei haben wir uns für das Pay-TV-Modell entschieden, weil sich ein solches Programm über Werbung schwer finanzieren ließe, zumal wir ein älteres Zielpublikum ansprechen, während die Werbeindustrie bekanntlich eher jüngere Zuschauer im Blickfeld hat. In den vergangenen Jahren hat sich die Schlagerwelt verändert und GoldStar TV hat diese Veränderungen mitgemacht. Wir sind quasi ein Spiegelbild der Entwicklung der Branche. So bieten wir verstärkt auch neuen Stars, zum Beispiel vom Eurovision Song Contest, und Nachwuchskünstlern eine Bühne, zum Teil drehen wir mit neuen Talenten auch Musikvideos. Auch unser Erscheinungsbild und akustisches Auftreten haben wir immer wieder erneuert, denn wir befinden uns in einem sehr dynamischen Markt.
Medienbote: Wie viele Abonnenten haben Sie?
Gottfried Zmeck: GoldStar TV erreicht inzwischen mehr als zwei Millionen Haushalte in Deutschland und Österreich über die Pay-TV-Plattform Sky, auf der wir exklusiv verbreitet werden. In der Schweiz sind wir im Abo-Paket des Teleclub zu empfangen. Um neue Zuschauer für uns zu begeistern, halten wir es für wichtig, unsere Marke aus dem Pay-TV-Bereich hinaus in die Schlagerwelt zu tragen. So präsentieren wir Konzerte von Stars der Szene oder machen in Kooperationen mit Medienpartnern, etwa der „Bild“-Zeitung, Schlagerfans auf uns aufmerksam. Marketing-Aktivitäten dieser Art wollen wir in nächster Zeit noch ausbauen.
Medienbote: Alle Welt spricht von HDTV - wie sieht’s damit bei Ihnen aus?
Gottfried Zmeck: Seit Dezember 2009 erstellen wir bereits alle Eigenproduktionen in hoher Bildauflösung, um einen HDTV-Programmbestand aufzubauen. Wenn die Zeit dafür reif ist, werden auch wir auch einen HDTV-Kanal starten können, wobei ich die gegenwärtige Euphorie nicht teile. Allerdings lässt sich schon jetzt sagen, dass nicht nur originäre HDTV-Produktionen, sondern auch konvertierte Inhalte laufen werden, denn viele Elemente, etwa Live-Auftritte von Stars in TV-Shows der 70er und 80er Jahre, liegen nicht in der neuen TV-Technologie vor. Anders ist dies bei vielen Filmen, die unser zweiter Sender Heimatkanal zeigt, da sich diese durch eine Neuabtastung des Bandmaterials ins HDTV-Format umwandeln lassen.
Medienbote: Wann könnte Ihr HDTV-Kanal starten?
Gottfried Zmeck: Wichtig ist, dass sich HDTV im Massenmarkt etabliert hat. Ich denke, dass erst in drei bis vier Jahren die Mehrzahl der Zuschauer wirklich HD-Programme empfangen kann - dann könnte ich mir ein HDTV-Angebot aus unserem Hause gut vorstellen, weil dann auch die Refinanzierungsmöglichkeiten gegeben wären. Wie wichtig dieser Aspekt ist, zeigt ein Blick auf die drei Marktkräfte, die derzeit die HDTV-Entwicklung in Deutschland maßgeblich vorantreiben: ARD und ZDF, die sich ihr HD-Engagement durch die Rundfunkgebühren bezahlen lassen, Pay-TV-Plattformen wie Sky oder T-Home Entertain, die HD-Programme gegen Aufpreis anbieten, und der Satellitenbetreiber SES Astra, der sich den Empfang seiner Plattform HD+ ebenfalls vom Zuschauer vergüten lässt.
Medienbote: Wie sehen die nächsten Etappen aus?
Gottfried Zmeck: Als Pay-TV-Unternehmen verläuft die Entwicklung bei uns immer in Zyklen von drei bis vier Jahren, denn so lange laufen in der Regel die Verträge mit Plattformbetreibern für die Verbreitung unserer Sender. Maßgeblich für den Erfolg von Abo-Kanälen wird es immer sein, Programminhalte zu bieten, die die Zuschauer auch wirklich sehen wollen. Bei der Verbreitung können wir variieren. So sind GoldStar TV und Heimatkanal an Sky gebunden, während wir uns bei unserem dritten Sender Romance TV für eine nicht-exklusive Verbreitungsstrategie entschieden haben. Natürlich spielen manchmal auch externe Faktoren eine Rolle, auf die wir keinen Einfluss haben - etwa, wenn ein Verbreitungspartner einen neuen Besitzer bekommt, wie jüngst der Kabelnetzbetreiber Unitymedia. Wir müssen jetzt erst einmal abwarten, welche Strategie Liberty Global verfolgt, vor allem mit Blick auf unabhängige Betreiber von Spartenkanälen wie uns, die zu keinem großen Medienkonzern gehören.
Medienbote: Mit dem Wegfall von Hit24 bei Sky haben Sie ja schon einmal zu spüren bekommen, welche Folgen ein Besitzerwechsel haben kann. Was ist passiert?
Gottfried Zmeck: Das Beispiel Hit24 zeigt, dass uns die vergangenen zehn Jahre nicht nur Freude gebracht haben. Unser Musikkanal war ein sehr guter und auch sehr beliebter Sender, wie uns die Reaktionen der Zuschauer zeigten. Die neue Sky-Führung hat die Aufgabe erhalten, den Pay-TV-Veranstalter durch striktes Kostenmanagement wirtschaftlich erfolgreich zu machen. Im Zuge der Einführung der neuen Paket- und Preisstruktur am 4. Juli 2009 wurde Hit24 durch VH1 Classic ersetzt. Leider ist es uns nicht gelungen, eine alternative Verbreitung auf anderen Plattformen sicherzustellen, so dass wir den Sender einstellen mussten, was ich sehr bedauere. Wir sind jederzeit in der Lage, Hit24 kurzfristig wieder ins Leben zu rufen, und ich bin zuversichtlich, dass wir noch in diesem Jahr eine Lösung finden werden.
Medienbote: Wie weit sind die Vorbereitungen gediehen, mit Country Music TV einen Musikkanal für Countryfans zu starten?
Gottfried Zmeck: Der Sender ist voll entwickelt und wäre innerhalb von drei Monaten startbereit. Wir benötigen zunächst aber als Anker eine Grundverbreitung, die die Refinanzierung sicherstellt. Ich bin davon überzeugt, dass es starke Nachfrage nach einem Programm dieser Art gibt, allerdings sehen viele Plattformbetreiber einen Countrykanal derzeit noch eher als „nice to have“ statt „must have“ an.
Medienbote: Bringen Sie Ihre Sender auch ins Ausland?
Gottfried Zmeck: Ja, wir sehen auch in den nichtdeutschsprachigen Ländern gute Erfolgschancen für unsere Sender und wollen die Auslandsexpansion in diesem Jahr weiter vorantreiben. So testeten wir im Herbst 2009 ein Romance-TV-Fenster bei einem polnischen Privatsender. Die hohen Einschaltquoten, die wir dort etwa mit Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen erzielten, zeigen, dass es auch im Ausland starkes Interesse an einer solchen Programmfarbe geben würde, die sich mit romantischen Filmen, Serien und Telenovelas an ein weibliches Publikum richtet. Auch in weiteren Ländern, darunter die Türkei oder Dänemark, sondieren wir die Marktchancen.
Medienbote: Warum macht Polen den Anfang?
Gottfried Zmeck: Wir haben Polen ausgewählt, weil es nach Russland der größte TV-Markt in Osteuropa ist und zudem stark von Pay-TV-Angeboten geprägt ist. Das bietet uns eine gute Ausgangsbasis. Wir richten uns dabei an polnische Zuschauer, alle Sendungen werden in polnischer Sprache ausgestrahlt. Anders ist dies in Nordamerika, wo wir den Heimatkanal für die dort lebende deutschsprachige Bevölkerung verbreiten wollen. Mit der Satellitenplattform Echostar liefen bereits erste Gespräche, einen Vertrag gibt es aber noch nicht. Ich denke, dass wir im Herbst weitere konkrete Schritte unternehmen. Dass es einen Markt dafür in den USA und Kanada gibt, zeigt die gute Resonanz auf die Sendungen, die wir dem Auslandsfernsehen ProSiebenSat.1 Welt zuliefern. Dabei kommt uns die technische Entwicklung entgegen. Während früher die Verbreitungskosten sehr hoch waren, lässt sich via Satellit jetzt die gesamte Ostküste der USA zu überschaubaren Kosten erreichen. Auch IPTV bietet neue Perspektiven. So verzeichnen wir steigendes Interesse an unseren Sendern von IPTV-Plattformen, die im Ausland lebende Deutsche mit Fernsehen aus der Heimat versorgen.



