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Medienbote Ausgabe Nr. 935 vom 11. März 2010

CME/MTG: Zweikampf in Bulgarien
Vor eineinhalb Jahren traten der US-Konzern Central European Media Enterprises (CME) und die schwedische Modern Times Group (MTG) in den bulgarischen Fernsehmarkt ein, heute dominieren sie ihn in einem Duell der Giganten. Falls die bulgarische Wettbewerbsbehörde CME die Übernahme der drei Fernsehsender bTV, bComedy und bCinema von Rupert Murdochs News Corp für umgerechnet rund 290 Millionen Euro genehmigt, werden die Amerikaner ebenso fünf Sender betreiben wie die Schweden mit Nova TV, Diema, Diema 2, Diema Family und dem Musikkanal MM. „Wir sind seit dem Kauf der beiden kleinen Sender Pro.BG und Ring.BG Mitte 2008 in Bulgarien vertreten“, sagte CME-Sprecherin Romana Tomasova dem Medienboten. „Durch die Übernahme von bTV weiten wir unsere Reichweite aus und können eine Mehrkanalstrategie verfolgen wie in unseren anderen Märkten.“ Das EU-Land Bulgarien sei für CME aufgrund des großen Wachstumspotenzials seines TV-Werbemarkts attraktiv, erklärte Tomasova. Allerdings sank der TV-Werbeumsatz in Bulgarien im vergangenen Jahr gegenüber 2008 um rund 20 Prozent auf etwa 305 Millionen Euro. Nach Erhebungen des Marktforschungsinstituts TNS/TV-Plan kann CME mit seinen fünf Sendern künftig einen Marktanteil von 45 Prozent am Werbeumsatz beanspruchen und liegt damit deutlich vor MTG mit 22 Prozent und dem Bulgarischen Nationalen Fernsehen (BNT) mit 12 Prozent. Gegenüber MTG, das den Kaufpreis von 620 Million Euro für die vor Ausbruch der Wirtschaftskrise im Sommer 2008 getätigte Übernahme von Nova TV refinanzieren muss, hat CME den Vorteil, krisenbedingt für den nationalen Marktführer bTV weniger als die Hälfte gezahlt zu haben. Die globale Finanzkrise hat laut Tomasova aber auch CME deutlich getroffen: „Die Werbeaufkommen in unseren Märkten und damit unsere Umsätze sind im vergangenen Jahr um 30 Prozent gesunken“, erklärte sie, doch sei es ihrem Unternehmen im schwierigen Marktumfeld gelungen, Reichweite und Marktanteil in allen Kernmärkten zu erhöhen. Neben Bulgarien ist CME gegenwärtig in Kroatien, Rumänien, der Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ukraine vertreten. „Wir haben unser Geschäftsmodell neu definiert und uns vom reinen Rundfunkveranstalter zur vertikal integrierten Mediengesellschaft entwickelt“, sagte Tomasova. So sei CME mittlerweile der größte Produzent lokaler Inhalte: „Wir glauben, wenn wir diese Inhalte paketweise verkaufen, können wir neue Drittumsätze erzielen. Außerdem bauen wir neue Medienbestände auf, sind bei Video-on-Demand im Internet führend und prüfen neue Möglichkeiten auf den Gebieten der Abonnement- und Managementdienste.“ An einen Einstieg in den deutschen Markt denkt CME laut Tomasova derzeit nicht: „Dort werden wir aber durch den Verkauf unserer Inhalte mitspielen.“ Über Umstrukturierungen bei den übernommenen Fernsehkanälen möchte sie sich nicht konkret äußern, bevor die Wettbewerbsbehörde die Übernahme genehmigt hat und das Geschäft voraussichtlich in einigen Monaten vollständig abgewickelt sein wird. Marktbeobachter erwarten für den Beginn der neuen TV-Saison im Herbst vor allem administrative und programmliche Veränderungen. Sie gehen davon aus, dass CME für all seine bulgarischen Sender einen gemeinsamen Geschäftsführer einsetzen und Personaleinsparungen vornehmen wird. Unter Bulgariens Filmschaffenden grassiert die Befürchtung, CME könnte auf Kosten bulgarischer Produzenten mehr im Ausland beziehen, etwa bei der hauseigenen Produktionsgesellschaft MediaPro Group in Rumänien. Als Antwort auf die neue Herausforderung durch CME gilt die Ankündigung von MTG, Nova TV werde bei der Medienbehörde eine Lizenz für einen bulgarischen Sportkanal beantragen und dafür seinen Musikkanal MM schließen. Nova Sport soll in der ersten Jahreshälfte starten und via Kabel und Satellit verbreitet werden. Infos: www.btv.bg / www.novatv.bg


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